About Josef Victor PAUSCH † 

JOSEF PAUSCH, ODER DAS NICHT – DA-SEIENDE DASEIN, ODER DAS DA-SEIENDE NICHT DASEIN

 

Wann immer wir uns treffen, irgendwo, treffen wir uns doch nicht, sagte Josef Pausch. Er ist wie seine Bilder, er ist da, aber irgendwas wird ver-heimlicht oder so offen ent-heimlicht, daß es nicht greifbar scheint. Das ist wie eine magische Kraft, die einen stark anzieht, aber man weiß nicht, wohin und warum – und man weiß nicht wie und wo man sich festhalten könnte.

 

Bilder-Landschaften (image-spaces), in denen die räumliche Tiefe abhanden gekommen sein könnte. Oberflächlich (sur-faces) , hinter denen nichts zu erwarten wäre. Lagerungen (layers) , denen der Ursprung des Lagerns, denen die Zeit der Lagerung verloren gegangen sein könnte – man weiß es nie so genau, und sorry, die Erwartung wird nie erfüllt werden können, weil sie schon da war, bevor das Foto „gemacht“ wurde, aber weil sie erst erschien, als das Foto schon „existierte“. Dieser Moment der Zeit, der die Zeit negiert, weil es kein Vorher oder Nachher gibt, sondern nur das, was nicht  da ist in diesem Moment (der keiner ist) – das zeigt das Foto: es zeigt, was da ist, während es zeigt, was nicht da ist.

Das wäre Kunst, wenn das gelingen könnte, es wäre immer Kunst gewesen, wenn das gelungen wäre, es könnte immer Kunst sein, wenn das gelingen würde: sichtbar zu machen, was nicht sichtbar ist, das Sichtbare unsichtbar zu machen, das „Verheimlichte“ heimlich zu machen, oder umgekehrt das „Heimliche“ zu ver-heimlichen.

So arbeitet Josef Pausch – dafür arbeitet er. Josef Pausch ist nicht da als Fotograf, die Kamera

(das Zimmer, der Dunkelraum) besitzt ihn als „ Photo-graphen“ (dem, der das Licht aufzeichnet).

Josefs Bilder (als „Still-photo-graph“) sind entleert von jeder identifizierbaren Bewegung – der Mensch ist nicht wirklich da, der Photograph ist nicht wirklich da – aber man weiß, das da der Mensch sein muß, das da Bewegung sein muß – daß da „Irgendetwas“ und „Irgendwer“ sein müßte, daß da eine Aussage ist, eine Hoffnung, eine Verzweiflung, ein Wahnsinn (im Sinne von wahnsinnig intensiv).

Josef Pausch sagt: seine Bilder sind immer Bilder, die er mit sich herumträgt und die manchmal eine Entsprechung finden (in der Realietät?).  Er sagt: es dauert machmal Jahre, und dann wird eine Situation eingefangen, wie ein Schnappschuß: er sagt: Ich möchte das „ an-sich-Sein“ der Dinge herstellen. Er zeigt das „Sein-an-sich“ der Photograghien des Photo-graphen (wie Paul Klee sagte:...diesseits bin ich gar nicht faßbar...).

 

Pascal Schöning – London / Paris – April 2002