j.p. - über meine photographie 

meine photografien sind nicht mehr und nicht weniger als moment-auf-nahmen. es sind keine

schnappschüsse. darin ist mir schon zuviel gewalt angedeutet: schnappen (wie ein köter) - schiessen

(wie ein soldat). das ist ja in der realen situation, in der die dinge entstehen, gar nicht enthalten.

da wird nicht arrangiert oder geschönt. vielleicht gibt es soetwas wie einen unausgesprochenen

vertrag zwischen den personen, tieren, landschaften etc. und mir... .

es herrscht hoffentlich noch genug respekt (und eine vielleicht schüchterne gelassenheit), die mir überhebliche (ein-)griffe unmöglich machen. so kann ich auch nicht jede nebensächlichkeit zum

ereignis hochstilisieren. offenheit, spontaneität, spass, eine lapidare geschwindigkeit bilden ja keine gegensätze dazu, denn gerade in solchen situationen ist konzentration und genauigkeit für mich das wichtigste. passieren kann das überall.

ich brauch` kein photostudio. was mich nach wie vor interessiert, sind standfotos - „stills“ - aus einem (meinem) immer weiter laufendem film. einzelbilder aus einer geschichte, die ich bin und („vorsichtig“) dirigiere, die ich auch zerlegen und neu zusammensetzen kann ... .

die photos sollen frei bleiben von allem lyrischen, symbolischen etc.! das sogenannte triviale ist mir

da viel lieber. damit kann ich arbeiten. eine qualität zeigen, die meist übersehen wird. mir geht es nach

wie vor um die schönheit (in all ihren maskierungen) und darum etwas auf-zu-nehmen, was sonst

kaum jemand sieht, berührt, mitnimmt. dies ist keine erklärung, die würde nur verschleiern, eher

parallele gedanken (-sprünge), die wahrscheinlich ähnlich entstehen wie photografien.

 

gespräch mit walter stuller, verleger n.y.

josef pausch, wien 1995